Das Alarmanlagen-System Ring Alarm ist seit Juli 2020 in Deutschland erhältlich. Bei Ring handelt es sich um eine Tochterfirma von Amazon. Bekannt in Deutschland ist Ring vor allem durch seine (Video-)Türklingeln und Überwachungskamaras. Und nun eine Alarmanlage von Amazon? Zugegeben, wir haben unsere Vorurteile, und sehen uns das System besonders kritisch an. Um es vorwegzunehmen: Wir wurden positiv überrascht.

Ring Alarm: Die enthaltenen Komponenten

In Deutschland ist das System für 299 Euro erhältlich, nach einen Einführungspreis von 229 Euro. Das System besteht aus der Basisstation mit einer 104db lauten eingebauten Sirene, einem Keypad, einem Signalverstärker, einem Bewegungsmelder sowie einen Fenster / Tür-Kontakt. Enthalten sind also lediglich zwei Sensoren, also alles andere als ein Komplettsystem. Es handelt sich vielmehr um die Grundkomponenten, welche dann um weitere Sensoren ergänzt werden müssen. Beim Kauf sollten sie daher alle weitere benötigten Sensoren einrechnen und den Gesamtpreis dann bei einem Vergleich berücksichtigen.

Die Ring-Alarmanlage einrichten

Um es kurz zu machen: So einfach und simpel haben wir noch keine Alarmanlage eingerichtet. Einfach die App auf einem Smartphone installieren (benötigt man sowieso). Per Knopf auf dem Bedienteil verbindet sich die Alarmanlage per Bluetooth mit dem Smartphone, holt sich von diesem die Zugangsdaten für das WLAN und Cloud-Funktion - ferig!

Die Alarmanlage bedienen

Richtig sinnvoll ist eine Alarmanlage natürlich nur bei intuitiver Bedienung. Sonst verkommt sie zum Gadget, welches man im Alltag nicht nutzt, und höchstens bei längerer Abwesenheit aktiviert wird. Dies ist bei Ring Alarm glücklicherweise nicht so:

  • Wie bei allen Alarmanlagen ist die Anlage per Bedienteil (Keypad) steuerbar.
  • Aus der Ferne per Handy kann die Anlage per Handy-App (sowohl IOS als Android) gesteuert werden.
  • Als Amazon-Tochter ist die Anlage auch in ein eventuell vorhandenes Alexa-Ökosystem eingebunden und darüber bedienbar.
  • Auch über einem PC per Browser ist die Anlage erreichbar.

Nett finden wir die optionale Möglichkeit, das nach dem Aktivieren ein Countdown läuft bis die Ring-Alarmanlage sich scharf stellt. Bei einem Mehrpersonen-Haushalt sinnvoll.

Die Technik im Detail

  • Sicherheitsklasse: Die Anlage ist nicht nach DIN EN 50131-2-x mindestens Grad 2 zertifiziert. Darum ist auch keine Förderung der KFW möglich.
  • Funktechnik: Die Basisstation kommuniziert mit den Sensoren nach dem Z-Wave-Standard. Dieser bietet bei freier Sicht eine Reichweite von guten 50 Metern. Durch die in einem Haus mit Wänden viel geringere Reichweite ist auf jeden Fall mindestens der mitgelieferte Signalverstärker nötig; weitere Verstärken sind wahrscheinlich einzupreisen.
    Zusätzlich bietet die Basisstation auch die Möglichkeit, Komponenten mit dem Zigbee-Standard einzubinden. Inwiefern damit Sensoren anderer Hersteller eingebunden werden können haben wir noch nicht getestet, reichen es aber nach. Nachteil daran: Die Signalverstärker von Ring verstärken nur das Z-Wave-Signal und nicht Zigbee.
  • Internet-Verbindung: Die Basisstation bietet (eigentlich) vorbildlich die Möglichkeit, sich per Kabel, WLan sowie per Mobil-Funk mit dem Internet zu verbinden. Jedoch ist die Funktechnik nur gegen ein Monatsabo freigeschaltet, was wir als großes Manko ansehen.
  • Akkubetrieb: Unabdingbar, eine Alarmanlage muss schließlich auch bei Stromausfall zuverlässig weiter arbeiten. Die Sensoren bei Ring werden sowieso per Batterie betrieben, ein integrierter Akku der Basisstation überbrückt einen Stromausfall von bis zu 24 Stunden.

Die Alarmmeldung

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein großer Minuspunkt: Die (zugegeben laute) Alarmsirene befindet sich im Bedienteil der Alarmanlage. Eine weitere (externe) Sirene ist von Ring schlicht nicht verfügbar. Da sich das Bedienteil natürlich in Türnähe befinden wird, ist es auch für einen Einbrecher leicht erreichbar. Und das schlichte Plastikgehäuse ist gegen Gewalt nicht wirklich geschützt, ein kräftiger Fußtritt oder ein harter Gegenstand setzt die Sirene schnell außer Gefecht. Im Endeffekt wird die Alarmanlage vor Ort also lediglich ein paar Sekunden heulen, bevor sie ein Einbrecher zerstört. Uns solch einen kurzzeitigen Alarm nimmt kein Nachbar für ernst ...

Um nicht nur eine abschreckende Wirkung, sondern auch bei einem erfolgten Einbruch auch Einbrecher möglichst in die Flucht zu schlagen, ist unserer Ansicht nach eine weitere externe Sirene, die nicht schnell erreichbar ist, Pflicht. Da solch eine Sirene in Deutschland nicht erhältlich ist, können wir die Alarmanlage nicht wirklich empfehlen.

In Amerika ist zwar eine externe Sirene für 30$ erhältlich (Dome Siren), diese wird von vielen Nutzern in Online-Foren als 'Crap' bezeichnet und ist scheinbar nicht wirklich zu empfehlen.

Veraltete Komponenten in Deutschland

Dazu gleich vorweg ein großer Kritikpunkt: Bei dem zur Zeit in Deutschland erhältlichem Sicherheitssystem handelt es sich um die (veraltete) erste Generation, während in der USA schon die zweite Generation erhältlich ist. Unterschiede sind sind unter anderem kleinere Sensoren und Komponenten, längere Laufzeiten, sowie eine Haustier-Erkennung beim Bewegungsmelder. Im Gegensatz zu dem Debakel bei Sonos sind jedoch die verschiedenen Gerätegenerationen untereinander voll kompatibel.

Im Vergleich die in Deutschland erhältliche erste Generation:
Und die in der USA erhältliche zweite Generation:

Nicht nur das die zweite Generation wir als deutlich eleganter empfinden, auch durch die geringeren Größen (durchschnittlich 35% kleiner) sind die Sensoren weit weniger störend. Unsere persönliche Meinung: Warten sie bei Interesse bis in Deutschland auch die neue zweite Generation der Anlage erhältlich ist.

Ring Alarm als Grundsystem für Erweiterungen

Ring bietet mittlerweile eine Vielzahl von Sensoren an, in Deutschland sind davon leider noch nicht alle erhältlich. Neben schon bekannten Erweiterungen wie Türklingeln und Kameras sind in der USA auch weitere Sensoren wie Wasser- / Temperatur-Melder sowie Rauch- / CO2-Sensoren erhältlich.

Ein Glasbruch-Sensor ist leider nicht erhältlich, auch wenn das Nutzer in den USA schon seit langem bemängeln.

Upselling mit Ring Protect Plus Plan

Um die Anbindung ans Internet per Mobilfunk nutzen zu können ist das Abo Ring Protect Plus für 10 Euro im Monat notwendig. Das Abo bietet zusätzlich neben der Möglichkeit, Aufzeichnungen von eventuell vorhandenen Ring-Kameras 30 Tage vorzuhalten, in unseren Augen nur noch Marketing-Aussagen wie erweiterte Garantie oder Preisnachlass auf weitere Komponenten, dies aber nur im ring-shop.

Da Alarmanlagen langlebigere Systeme sind und wir eine Laufzeit von 10 Jahren annehmen, würde das Zusatzkosten von 1200 Euro bedeuten. Diese Kosten sollten sie beim Vergleich mit anderen Systemen berücksichtigen.

Fazit zu Ring Alarm

Das System hat uns eigentlich positiv überrascht. Und bei aller Kritik mit Amazon als Mutterfirma hinter Ring, es ist somit doch eine gewisse Stabilität und Zukunftssicherheit gegeben, während gerade einige Startups in diesem Bereich in letzter Zeit ihren Betrieb einstellten.

Negativ fallen uns die monatlichen Abo-Kosten für den Ring Protect Plus Plan auf, Die (schon vorhandenen) Komponenten zur Mobilfunk-Anbindung nur gegen ein Abo freizuschalten halten wir gerade bei einem Sicherheitssystem schon für dreist.

Weshalb Amazon in Deutschland hier die erste Generation verkauft, während in der USA schon das Nachfolgesystem erhältlich ist, erschließt sich uns nicht ganz. Eine Erklärung wäre wohl, das Amazon noch so viele alte Lagerbestände hat, die es jetzt erst einmal los werden möchte.

Auch der Preis von 299 Euro nach der Einführungsphase erscheint uns eher als Kaufanreiz zur reduzierten Einführung. Ist die wie erwähnte zweite Generation in der USA doch dauerhaft für 199$ erhältlich.

Update September 2020

Der Einführungspreis in Deutschland ist vorbei und die Ring-Alarmanlage wir bei Amazon für 291 Euro verkauft. Wie schon erwähnt gibt es in Deutschland immer noch nur die erste Generation zu kaufen.

In Amerika hingegen befindet sich scheinbar die bei uns erhältliche erste Generation im Abverkauf und kostet dort jetzt bei der Amazon-Tochter Woot nur noch 139$, dies entspricht etwa 117 Euro.

Eine Differenz von 291 Euro zu 117 Euro empfinden wir als dreist, zudem Ring in Deutschland nach wie vor nicht kommuniziert das es sich hier um eine veraltete Generation handelt.